FORSCHUNG, DIE LEBEN VERÄNDERT
BEWE LAB / UNIFR | 23.09.2026

Von der neurowissenschaftlichen Forschung zur digitalen Therapie: Mit Bewe Lab haben Frédérik Plourde und Lucas Spierer den Pfizer Research Prize 2026 gewonnen.

An der Universität Freiburg (Unifr) beschränkt sich die Forschung nicht nur auf die Publikation wissenschaftlicher Artikel. Mit Unterstützung der Dienststelle für Wissens- und Technologietransfer (KTT) wagen immer mehr Forschende den Schritt ins Unternehmertum. Doch Innovation allein reicht nicht aus, um ein Unternehmen zu gründen. «Der entscheidende Faktor ist das Team. Erfolgreiche Forschende sind diejenigen, die bereit sind, über ihre akademische Rolle hinaus zu gehen, um die Nutzenden zu verstehen, ein Team zusammenzustellen, Finanzmittel zu beschaffen und vor allem Entscheidungen in einem unsicheren Umfeld zu treffen», erklärt Valeria Mozzetti Rohrseitz, Leiterin der KTT.

Bewe Lab veranschaulicht diese Dynamik perfekt. Das Projekt entstand aus der Arbeit von Professor Lucas Spierer im Bereich der klinischen Neurowissenschaften an der medizinischen Fakultät der Unifr. Um seine Forschungsergebnisse in praktische Lösungen für Patientinnen und Patienten umzusetzen, spannte der Wissenschaftler mit dem Serienunternehmer Frédérik Plourde zusammen, der heute CEO des Unternehmens ist. Die Innovationen werden weiterhin im akademischen Umfeld validiert, bevor sie auf den Markt kommen. «Diese wissenschaftliche Grundlage eröffnet uns auch Möglichkeiten für internationale Kooperationen und Fördermittel, zu denen wir sonst keinen Zugang hätten», erklärt Frédérik Plourde. Heute expandiert Bewe Lab sowohl in Europa als auch in den USA und arbeitet insbesondere mit der Stanford University und dem Schweizer Krankenversicherer CSS zusammen.

Für einen guten Zweck

Das Unternehmen entwickelt digitale kognitive Therapien, die Videospiele nutzen, um die Aktivität des Belohnungssystems im Gehirn abzuschwächen und Menschen mit Essstörungen dabei zu helfen, ihre Gewohnheiten nachhaltig zu ändern. Über 13’500 Personen nutzen die App bereits, und ein Dutzend Pilotprojekte wird gemeinsam mit mehreren bedeutenden Akteuren des Schweizer und europäischen Gesundheitswesens durchgeführt. Die Teams entwickeln derzeit neue Lösungen für Tabak- und Alkoholabhängigkeit sowie einen «digitalen Zwilling» des Belohnungssystems des Gehirns, um mithilfe von KI die Entwicklung personalisierter Therapien voranzutreiben. «Wir wollen dieses Wissen für einen guten Zweck nutzen und Patienten dabei helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen», sagt Frédérik Plourde. Als Gewinner des Pfizer Research Prize 2026 in der Kategorie Digital Health will Bewe Lab bis 2028 eine Million Nutzerinnen und Nutzer erreichen.

Bewe Lab ist kein Einzelfall. Xemperia, Gewinner des IFF-Preises 2024–2025 in der Kategorie Start-up, bereitet die Markteinführung eines Bluttests zur Früherkennung von Brustkrebs vor. Mit einer einfachen Blutentnahme soll die Krankheit in einem sehr frühen Stadium erkannt werden, wenn die Heilungschancen am höchsten sind. Neben CertX, Seprify und weiteren Spin-offs stellt das junge Unternehmen das Potenzial der Freiburger Forschung unter Beweis, wirkungsvolle Innovationen hervorzubringen. «In den letzten Jahren hat das akademische Unternehmertum stark an Bedeutung gewonnen und wird nun besser strukturiert und gefördert», sagt Valeria Mozzetti Rohrseitz.