Heute zählt Bcomp über 80 Mitarbeitende, u. a. auch in China. Das Unternehmen baut derzeit ausserdem eine neue Produktionshalle in Rumänien. Und seit einigen Jahren ist es an der Entwicklung der neusten Serienmodelle von BMW beteiligt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Bcomp vor 15 Jahren in einer Garage gegründet wurde, um leichtere Ski herzustellen.
Heute ist das im Bereich Naturfaserverbundwerkstoffe tätige Unternehmen eines der eindrucksvollsten Freiburger Beispiele für ein Scale-up. Zu den Aktionären des Cleantech-Unternehmens zählen neben dem deutschen Automobilhersteller weitere namhafte Konzerne wie Volvo Cars Tech Fund, Porsche Ventures oder Airbus Ventures. Trotz dieser rasanten Entwicklung bleibt Bcomp seiner Mission seit 2011 treu und will einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Planeten leisten.
Von seinem Hauptsitz im Innovationsquartier bluefactory aus steuert Bcomp seine Aktivitäten in der Automobilindustrie, Luftfahrt und im Sport. Das stark international ausgerichtete Unternehmen ist jedoch nach wie vor tief im Kanton verwurzelt. Neben den administrativen Abteilungen und der Forschungs- und Entwicklungseinheit verfügt es in Freiburg auch über einen Produktionsstandort: Die Produkte werden vor Ort auf Pilotfertigungslinien entwickelt und industriell hergestellt. «Es handelt sich um einen strategischen Entscheid: Nähe ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Technologietransfer», sagt Christian Fischer, Mitgründer und Geschäftsleiter.
Von Menschen zu Prozessen
Bcomp hat sich von einem Start-up, das sich auf den entspannten Freeride-Skimarkt konzentrierte, zu einem echten KMU entwickelt, das vor allem mit der extrem strukturierten Automobilindustrie zusammenarbeitet. Hat sich Bcomp den kreativen Funken der Anfänge so überhaupt bewahren können? «Es ist eine enorme Herausforderung!», räumt Christian Fischer ein. «Man muss sich ständig neu ausrichten, um die richtige Balance zwischen Flexibilität und Anpassung an zwangsläufig schwerfälligere Prozesse zu finden.» Die industrielle Fertigung unterscheidet sich stark vom Prototyping. «Sie erfordert die Einführung eines standardisierten Qualitätsmanagements, aber auch strukturelle Anpassungen. Im Jahr 2023 ergab ein externes Audit, dass einige interne Kompetenzen nicht mehr vollständig auf unsere Entwicklung abgestimmt waren. Wir mussten daher mehrere schwierige Entscheidungen treffen. Gerade in solchen Momenten ist es besonders wichtig, die Mission des Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren.»
Der Geschäftsleiter sagt dazu: «Vielleicht ist der Hauptunterschied zwischen der Mentalität eines Start-ups und jener eines Scale-ups, dass ersteres people dependent und letzteres process dependent ist.» Er fügt lachend hinzu: «Die Entwicklung des Unternehmens ist herausfordernd, birgt aber auch Vorteile. Auch wenn mehr auf dem Spiel steht, bin ich gelassener. Wenn ich zum Beispiel mit meiner Familie in die Ferien fahre, springt jemand anderes für mich ein.»
Weshalb überhaupt die Start-up-Mentalität beibehalten? Für den Geschäftsführer von Bcomp gibt es mehrere Aspekte, die die Stärke des Unternehmen seit seinen Anfängen ausmachen: «Unsere Resilienz, unsere starke Unternehmenskultur, unsere Fähigkeit, mit Misserfolgen umzugehen, und unser Vertrauen in unser Bauchgefühl bei Entscheidungen.»