Mit 26 Jahren leitet Julie Böhning PAVE Space, das sich zum Ziel gesetzt hat, Lyoba zu entwickeln, ein Fahrzeug, das Satelliten schneller in ihre Umlaufbahn bringen soll. Das Unternehmen belegte beim TOP 100 Swiss Startup Award 2026 den dritten Platz und hat seine Wurzeln in einer Freiburger Scheune.
Alles begann im Greyerzerland im Kanton Freiburg, lange vor PAVE Space. Wie kam es, dass eine Gruppe von Freunden begann, Raketen zu bauen?
Wir lernten uns mit 14 Jahren kennen, einige Jahre später starteten wir das Gruyère Space Program. Während sechs Jahren arbeiteten wir abends, an den Wochenenden und in den Ferien, grösstenteils in einer Scheune in Le Pâquier. Unser Pilotmodell Colibri schaffte schliesslich 53 Starts und Landungen – eine Premiere in Europa. Das Tolle daran ist, dass der Grossteil dieses Teams auch heute noch zusammenarbeitet.
Daraus entstand PAVE Space, das heute das Raumfahrzeug Lyoba entwickelt. Wozu wird es dienen?
Satelliten sind viel kleiner geworden, es kann aber sechs bis zwölf Monate dauern, bis sie ihre endgültige Umlaufbahn erreichen. Lyoba wird in der niedrigen Umlaufbahn die Aufgabe einer Rakete übernehmen, um mehrere Satelliten an ihren Bestimmungsort zu befördern, mit dem Ziel, diesen Weg auf 24 Stunden zu verkürzen. Wir beschränken uns nicht auf die geostationäre Umlaufbahn: Das Raumfahrzeug wird auch weiter bis zur Mondbahn fliegen können.
PAVE Space hat sich schnell von einem Studentenprojekt zu einem Unternehmen mit rund fünfzig Mitarbeitenden entwickelt. Wodurch zeichnet sich Ihre Arbeitsweise aus?
Durch die Schnelligkeit der Umsetzung. Wir versuchen, möglichst viele Kompetenzen intern abzudecken, um die Entwicklungszyklen zu verkürzen und rasch testen zu können. Bei uns herrscht echter Tatendrang und wir wollen unser Ziel immer schneller erreichen. Das Team ist jedoch schrittweise gewachsen: Das Gruyère Space Program hat uns bereits gelehrt, unsere Methoden zu professionalisieren.
Wie lernt man mit 26 Jahren, ein so rasch wachsendes Unternehmen zu führen?
Ich glaube nicht, dass es ein richtiges Alter gibt, um etwas Neues zu beginnen: Man muss es einfach versuchen und hart arbeiten. Die Gründung eines Unternehmens kann man lernen. Man muss sich vor allem mit den richtigen Leuten umgeben. Ich habe auch zwei Grossmütter, die beide ihr eigenes Geschäft geführt und mir viele Lektionen voller gesundem Menschenverstand mitgegeben haben – warum also nicht ich?
PAVE Space ist heute ein internationales Projekt. Was ist von seinen Freiburger Wurzeln übrig geblieben?
Eine ganze Menge. Ein Grossteil des Kernteams vom Gruyère Space Program ist immer noch dabei, auch wenn Menschen aus der ganzen Welt zu uns gestossen sind. Wir haben uns unser zutiefst schweizerisches, sehr greyerzerisches Herz bewahrt. Sogar der Name Lyoba (Anm. d. Red.: in Anlehnung an den Ranz des vaches, die Freiburger Hymne) ist eine Anspielung auf unsere Herkunft. Ich finde es schön, diese Identität zu bewahren und zugleich ein Projekt zu entwickeln, das weit über unsere Grenzen hinausreicht.