«Wir könnten heute schon profitabel sein und uns auf organisches Wachstum konzentrieren, aber das ist momentan nicht unser Ziel», erklärt Frank Bonnet, CEO und Mitgründer von Bionomous. Das Unternehmen hat zwar gerade für das erste Quartal einen positiven EBITDA (ein Indikator für die operative Rentabilität) ausgewiesen. Es investiert jedoch lieber weiter in Forschung und Entwicklung, um das Wachstum zu beschleunigen. Einen ähnlichen Kurs verfolgt auch EPoS Technologies. Beide Unternehmen sind seit 2022 am Freiburger Innovationsstandort Le Vivier beheimatet, der konsequent auf die Industrie ausgerichtet ist.
Bei Bionomous begann alles mit dem EggSorter, der ursprünglich entwickelt wurde, um die Sortierung von Zebrafischeiern für Forschungszwecke zu automatisieren. Mit seinem neuen Produkt Sortivo erweiterte das Unternehmen sein Tätigkeitsfeld und konzentriert sich nun insbesondere auf Organoide, dreidimensionale Gewebemodelle, die zunehmend in der Pharmaindustrie eingesetzt werden. «Bei den Organoiden ist jede Anwendung anders. Es sind viel mehr massgeschneiderte Anpassungen und spezifische Entwicklungsarbeit nötig», erklärt Frank Bonnet. Während die Geräte derzeit hauptsächlich von Universitäten und Laboren genutzt und weltweit exportiert werden – von Hongkong und Australien bis in die USA und nach Südamerika –, will Bionomous nun vermehrt Kunden aus der Industrie gewinnen.
EPoS Technologies entwickelt und produziert seinerseits neue Werkstoffe mithilfe von eForging, seiner patentierten Technologie zur Formgebung mittels Pulvermetallurgie. Dieses Verfahren ist wie geschaffen für die industrielle Fertigung: Es umfasst einen einzigen Arbeitsschritt, es lassen sich bis zu sechs Teile pro Minute herstellen und es sind nur wenige Quadratmeter Stellfläche erforderlich. EPoS Technologies hat bereits mehrere Werkstoffe auf den Markt gebracht, wie beispielsweise Synaptite, ein Ersatz für Wolfram in bestimmten Elektrodentypen. Das Unternehmen hat Kunden in Europa und Amerika und arbeitet derzeit an Projekten in Asien. Doch die Märkte unterscheiden sich stark: Für dieselbe Anwendung werden in Europa und Nordamerika nicht unbedingt dieselben Werkstoffe verwendet. «Die Märkte sind sehr unterschiedlich. Wir müssen vor Ort sein, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu verstehen und uns anzupassen», erklärt Sébastien Recalcati, Betriebsleiter von EPoS Technologies.
Der Vivier-Effekt
Büros, Werkstätten, Logistik, Finanzen: Am Innovationsstandort Le Vivier können sich die Unternehmen ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. «Es handelt sich um ein in der Schweiz einzigartiges Umfeld, und wir profitieren enorm von der Erfahrung von Nivalis Group beim Aufbau von industriellen Start-ups», sagt Sébastien Recalcati.
Frank Bonnet schätzt auch den Kontakt mit Unternehmern, die bestimmte Etappen bereits hinter sich haben, wie beispielsweise mit Alain Codourey, Gründer des ebenfalls im Le Vivier ansässigen Unternehmens Asyril: «Es ist fast eine Art Mentoring: Von Zeit zu Zeit trinken wir einen Kaffee zusammen und besprechen die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind.» Diese Erfahrungen helfen dabei, Fehler in der Zukunft zu vermeiden.
Auch bei EPoS schliessen sich Wachstum und Experimentierfreudigkeit nicht aus. Jede Idee für ein neues Material wird umgehend anhand der Bedürfnisse der Kunden getestet. Sébastien Recalcati meint dazu: «Man muss agil sein und bereit, Risiken einzugehen, wie in einem Start-up. Und sich ständig weiterentwickeln.»