Mit KANREY entwerfen Kuno Andrey (l.) und Kevin Fries eine andere Art, Eleganz zu tragen.

Mit KANREY entwerfen Kuno Andrey (l.) und Kevin Fries eine andere Art, Eleganz zu tragen.
Beide sind 47 Jahre alt, tragen Schuhgrösse 42 und teilen den gleichen Anspruch an Herrenschuhe. Mit KANREY wollten Kuno Andrey, ein Freiburger der bei Nike und Adidas tätig war, und der mehrfach international ausgezeichnete Zürcher Designer Kevin Fries einen hybriden Schuh entwickeln – an der Schnittstelle zwischen formeller Eleganz und dem Komfort eines Sneakers. Austauschbare Aussensohle, vollständiges Recycling, ein starkes Freiburger Netzwerk und eine europäische Produktion: KANREY steht für eine innovative und nachhaltige Vision des Premium-Schuhs. In diesem Interview blickt Kuno Andrey auf die Entstehung der Marke zurück, spricht über technologische Entscheidungen und erläutert die klare Positionierung im gehobenen Segment – von Freiburg aus und mit eindeutig internationaler Ausrichtung.
KANREY entstand aus einem persönlichen Bedürfnis. Wann wurde daraus ein unternehmerisches Projekt?
Ich habe lange in der Schuhbranche gearbeitet: eine Lehre bei Universal Sport, danach Tätigkeiten bei Adidas während meines Studiums und später bei Nike nach dem Abschluss. Ich war an Sneakers gewöhnt – also an Komfort. Als ich begann, für den Arbeitsalltag nach formelleren Schuhen zu suchen, fiel mir der Mangel an echten Alternativen auf: kaum spürbare Unterschiede zwischen einem Paar für 50 Franken und einem für 500 Franken – und vor allem oft enttäuschender Tragekomfort. Irgendwann stellte sich die Frage ganz von selbst: Warum nicht versuchen, dieses Problem selbst zu lösen?
Sie haben sich daraufhin mit Kevin Fries zusammengeschlossen. Wie hat diese Begegnung das Projekt geprägt?
Ich brachte den Business-Hintergrund mit, doch es brauchte eine starke kreative Kraft. Ich dachte sofort an Kevin, mit dem ich bereits bei Coca-Cola an Eventprojekten zusammengearbeitet hatte. Als mehrfach international ausgezeichneter Designer bewegt er sich in vielen Bereichen – von Möbeln über Leuchten bis hin zur Mode. Er identifizierte sich sehr schnell mit der Idee und begann zu zeichnen. Es entstanden über 1000 Skizzen! Wir wollten weg vom klassischen Business-Schuh und dabei eine echte Eleganz bewahren.
Wann hat sich die Idee eines hybriden Schuhs durchgesetzt?
Zunächst ging es darum, unsere Intuition zu überprüfen. In Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg führte eine Studentin eine umfassende Marktanalyse durch, die zudem mit der Bestnote bewertet wurde. Diese Arbeit bestätigte das Marktpotenzial und strukturierte unsere weiteren Entwicklungsschritte. Während wir anfänglich an eine modernisierte traditionelle Sohle dachten, führte uns die Analyse zu einer sneakerähnlichen Sohle, die besonders innovativ ist und zu einer Premium-Positionierung passt.
Die ersetzbare Sohle ist ein zentrales Element von KANREY. Was war die ursprüngliche Idee dahinter?
Es handelt sich nicht nur um eine technische Innovation, die zudem lange Testphasen erforderte. Sie ist auch eine Antwort auf die Wegwerf-Logik, die in der Modebranche weit verbreitet ist und keinen Sinn mehr ergibt. Hochwertiges Leder altert gut, doch die Aussensohle – also der Teil mit Bodenkontakt – nutzt sich ab. Deshalb haben wir eine Lösung entwickelt, bei der nur diese Aussensohle ersetzt wird: Jedes Paar wird mit einem Ersatzteil geliefert, das sich problemlos beim eigenen Schuhmacher montieren lässt, und weitere Sohlen können separat nachbestellt werden.
Sie haben auch an das Recycling des Schuhs am Ende seines Lebenszyklus gedacht…
Diese Frage war von Beginn an Teil der Produktkonzeption. Wenn ein Paar nicht mehr getragen werden kann, kann es zurückgegeben und in ein Recyclingprogramm integriert werden, das wir gemeinsam mit einem Partner in Portugal entwickelt haben. Der Schuh wird zerkleinert und zu einem Pulver verarbeitet, das unter anderem als Rohmaterial für neue Aussensohlen dient. Der gesamte Prozess findet lokal statt – in einem Umkreis von rund zehn Kilometern um den Produktionsstandort.
Warum haben Sie sich für Portugal als Produktionsstandort entschieden?
Wir haben viele Optionen geprüft: Italien, Spanien, Schweiz. Portugal überzeugte letztlich durch sein historisches Know-how, insbesondere im Bereich Sneakers, sowie durch die Fähigkeit, kleinere Serien zu produzieren. Eine europäische Produktion war für uns zentral. Nach Covid ergaben sich neue Möglichkeiten, und wir fanden Partner, die dieses Qualitätsniveau umsetzen können.
Sie haben mit dem Institut Swissbiomechanics an der Passform gearbeitet. Warum war das so wichtig?
Komfort ist der wahre Gral des Schuhs… und er entscheidet sich auf wenige Millimeter genau! Wir wollten den Komfort eines Sneakers mit der Ästhetik eines eleganten Schuhs verbinden. Swissbiomechanics unterstützte uns bei der Analyse des Abrollverhaltens des Fusses, der Präzision der Passform und der gesamten Konstruktion. Diese Kombination aus Design, Biomechanik und handwerklichem Know-how war entscheidend.
KANREY ist in Freiburg verankert und richtet sich gleichzeitig an einen internationalen Markt. Welche Rolle spielte das lokale Ökosystem?
Als Freiburger erschien es mir selbstverständlich, die Marke in Freiburg zu gründen. Dort fanden wir rasch starke Partner: die Universität Freiburg, die Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR), genauer das Institut für angewandte Kunststoffforschung (iRAP), sowie Fri Up für Coaching und Businessplan-Entwicklung und Seed Capital für die Finanzierung. Angéloz Mode war unser erster Vertriebspartner. Heute sind wir bei verschiedenen Fachhändlern in Gstaad und Zürich vertreten und voraussichtlich bald auch in Lausanne, Genf und Basel. Unser Onlineshop ermöglicht es uns zudem, eine internationale Kundschaft zu erreichen.